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Entwicklungsland

Erste_r, Zweite_r, Dritte_r?

Wer steht hier ganz oben auf der Sieger_innentreppe? Wer bewertet das und worin hat wer gewonnen? Oder wer ist "Noch nicht so weit entwickelt?" Diese Fragen kann mensch sich stellen, wenn von der "Dritten Welt" oder "Entwicklungsländern" gesprochen wird.

Auffällig ist, dass es zu dem Begriff “Dritte Welt” die Begriffe “Zweite Welt” und auch “Erste Welt” erst gar nicht eingebürgert haben. Gerne wird für die “Erste Welt” auf Begriffe wie “Industrienation” oder gar “der Westen” ausgewichen, wobei sogenannte "Entwicklingsländer" dann gerne als "Agrarnationen" bezeichnet werden. 

Schon durch die asynchronen Benennung fällt auf, dass hier ein ungleiches Bild gezeichnet wird. Im Wettkampf um technischen und industriellen Fortschritt stehen einige Länder ganz vorne und erreichen das zu gerne durch historisch gewachsene Ausbeutungsstrukturen.

Sieger im Ausbeuten? Sieger im kolonialisieren? Sieger im Missionieren kapitalistischer Werte? All das schwingt mit im Ausdruck “Dritte Welt”. Die “Erste Welt” steht somit für Fortschritt und Kapital, die “Dritte Welt” als Symbol für ungezähmtes und noch zu “entdeckendes” Land. In der Steigerung dieses Machtverhältnisses werden gerne auch die Worte “Agrarnationen” oder gar “Bananenrepublik” verwandt, die weiterhin suggerieren: Reichtum, Fortschritt und Kultur seien Errungenschaften der einen und Natur, Landwirtschaft und traditionelle Bräuche das Verhängnis der Anderen.

Wir brauchen einen neuen Blick auf die Welt, auf die Werte die wir zur Grundlage nehmen, uns als Bewohner_innen einer einzigen Welt zu sehen. Gegenüberstellungen wie “Erste Welt” / “Dritte Welt”, “Industrienation” / “Agrarnation” verschleiern unseren Blick auf die wahren Zustände und auch auf die Gründe, die diese Zustände geschaffen haben und aufrecht erhalten.

Wer von gewissen Ländern sprechen möchte, benenne sie bei beim Namen oder bei den konkreten Verhältnissen, die dort herrschen, anstatt Stereotypen weiterhin gedeihen zu lassen oder sie gar zu nähren.

Eine andere Möglichkeit kann sein, vom "Globalen Süden" und "Globalen Norden" zu sprechen:

"Mit dem Begriff wird eine im globalen System benachteiligte gesellschaftliche, politische und ökonomische Position beschrieben. Globaler Norden hingegen bestimmt eine mit Vorteilen bedachte, privilegierte Position. Die Einteilung verweist auf die unterschiedliche Erfahrung mit Kolonialismus und Ausbeutung, einmal als Profitierende und einmal als Ausgebeutete. Die Einteilung in Süd und Nord ist zwar auch geographisch gedacht, aber nicht ausschließlich. Australien gehört beispielsweise genau wie Deutschland mehrheitlich dem globalen Norden an, aber es gibt in beiden Ländern auch Menschen, die Teil des globalen Südens sind, zum Beispiel Aboriginal Australians und illegalisierte Personen. Andersherum gibt es auch in Ländern, die mehrheitlich dem globalen Süden angehören, Menschen, die die Privilegien des globalen Nordens genießen, zum Beispiel deutsche Siedler_innen in Namibia oder Weiße in Südafrika." (Quelle: Mit kolonialen Grüßen / glokal )

Broschüre zu Stereotypen des Globalen Südens

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