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Asylant*

Das Wort "Asylant_in", dass sich aus dem griechischem Wort Asyl (Zufluchtsort) und der deutschen Endung "-ant_in" zusammen setzt, bezeichnet im eigentlichen Sinne Menschen, die sich im gesicherten Rechtsstatus des Asyls befinden.

Viel häufiger werden jedoch unter diesem Wort auch sämtliche Menschen zusammengefasst, die Asyl beantragt haben, darauf warten (oft jahrelang) und all zu oft auch die, die bereites eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten haben. Dies macht es einfach gegen die angeblich hohe Zahl derer zu hetzen, die es geschafft haben, ihre Füße auf EU Boden zu setzen. Nicht zu vergessen die Zahl derer, die Asyl aus einem Land außerhalb der EU beantragen.

Seit Ende der 70 Jahre taucht der Begriff immer wieder in der medialen Meinungsmache, aber auch in den politischen Debatten der SPD und CDU/CSU auf und löst den bis dahin gebräuchlichen, weniger gefährlich klingenden Begriff Flüchtling ab.

Durch die Endung "-ant_in" entstehen weitere negative Assoziationen, wie "Praktikant_in" oder "Simulant_in".

Um das ohnehin schon negativ gezeichnete Bild eines hilfesuchenden Menschen noch zu überhöhen, wird es seit der politischen Debatte um die De-Facto Abschaffung eines großen Teiles des deutschen Asylrechts Anfang der 80er Jahre noch gern mit unbeherrschbaren Natur-Analogien versehen: So tut dies das Wort "Asylantenflut". Es klingt wie eine Welle, die unbeherrschbar herein bricht und alles zerstört. 

Die rassistische Hetze gipfelte Anfang der 90er Jahre u.a. in den Pogromen von Rostock / Lichtenhagen, bei denen unter Beifall von über 3000 Demonstranten Rettungskräfte daran gehindert wurden, ein in Brand gestecktes Wohnheim mit mehr als 100 Menschen aus Vietnam zu löschen.

Auffällig bleibt, dass seit das rassistische Stereotyp der "Asylantenflut" medial nicht mehr so unkritisiert gezeichnet werden kann, die emanzipatorisch erhebende Gruppe der Menschen mit Fluchterfahrung sich nun wieder mit einer Bezeichnung konfrontiert sieht, die ihre Interessen verharmlosen soll: "Flüchtling"

Eine Gruppe von Menschen, die für ihre Rechte kämpft mit einem Wort zu bezeichnen, das mit der Verkleinerung "-ling" endet, will die Stellung dieser verniedlichen (vgl. Däumling, Lehrling, "Flüchtling" oder "Häuptling") und hilft nicht sich auf Augenhöhe zu begegnen. Oder wie wäre es mal mit Worten, wie: Deutschling, Bürg(er*)ling oder Einwohn(er*)ling

(Quelle: Afrika und die deutsche Sprache)


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